Geben & Nehmen-Event: von regionalen Gründern bis zum ZAH1DE-Manager

(SBS) Vom Konzern ins Creator-Business – oder aus dem Nichts nach oben? Ein besonderes Ambiente und spürbare Unternehmer-Energie lagen in der Luft: Das Juniper in Lübeck, direkt neben den Lübecker Nachrichten, verwandelte sich am Freitag, dem 5. Juni 2026, in einen Treffpunkt für Start-ups, Unternehmer:innen, Social-Media-Profis und digitale Vorreiter.


Unter dem Motto „Geben & Nehmen“ standen Geschäftsmodelle, Sichtbarkeit, Mut und das Wiederaufstehen nach Rückschlägen im Mittelpunkt. Impulsgeber aus ganz Deutschland trafen auf bekannte Gesichter aus der Region – und auf eine digitale Business-Welt, die für viele bodenständige Unternehmer:innen noch immer ungewohnt wirkt.

Statt steifer Vorträge mit Präsentationsfolien gab es persönliche Geschichten, klare Botschaften und viel Tempo. Der Abend war unterhaltsam, aber nicht oberflächlich. Im Kern ging es um Unternehmertum – nur eben auf einer Bühne, die anders wirkte als klassische Business-Events.

Nachhaltigkeit beginnt auch bei zukunftsfähigem Wirtschaften

An diesem Tag wurde Nachhaltigkeit nicht als Vortragsthema ausgerufen. Trotzdem war sie unterschwellig präsent. Denn nachhaltige Entwicklung bedeutet nicht nur Klimaschutz oder weniger Verpackung. Es geht auch darum, wie Menschen arbeiten (soziale Aspekte) und Unternehmen aufbauen, Krisen überstehen, neue Technologien nutzen und regionale Wirtschaft stärken. Genau das zeigte der Abend: erfahrene Unternehmer aus ganz Deutschland und junge Gründer aus der Region; digitale Geschäftsmodelle, alte Produkte neu gestaltet, weibliche Vorbilder, kulturelle Vielfalt und die Frage, wie klassische Unternehmen in einer Social-Media-Welt sichtbar bleiben.

Wer so über Unternehmertum spricht, spricht automatisch über Zukunftsfähigkeit!


📢 Anmerkung: Interviews mit Burak Türkyilmaz / BreitenBerg, Michael Schuldt sowie das gemeinsame Gespräch mit Meriem Lebdiri und Büsra Sayed befinden sich als verlinkte Audios im Text. Ungeschnitten, also ungeschönt 🙂


Hinter dem Abend stand ein lokales Organisations- und Moderations-Duo aus Lübeck (Foto oben, li und re), das die Brücke zwischen Social-Media-Welt und klassischem Mittelstand schlug. Burak Türkyilmaz, online bekannt als BreitenBerg, verbindet als Unternehmer und erfolgreicher Twitch-Streamer klassische Wirtschaftswerte mit digitaler Reichweite. Auf der Bühne brachte er Humor, Tempo und eigene Erfahrungen ein. Audio-Interview hören? Geht hier

Ann-Kathrin König ergänzte diese digitale Dynamik mit klassischem Stil und Struktur. Als Unternehmens- und Personalberaterin brachte sie den Blick auf Führung, Organisation und Menschen ein.

Unternehmerischer Nachwuchs aus der Region

Dass Lübeck und Umgebung ein guter Boden für neue Ideen sind, zeigte sich auch an den Gästen. Etwa an Michael Schuldt von SchuldtSafety. Er steht für ein Thema, das nichts mit Gründerromantik zu tun hat: Verkehrssicherheit. Frisch ausgezeichnet bei den StartupDays, hat Schuldt ein Fahrerassistenzsystem entwickelt, das die Smartphone-Nutzung von Autofahrern physisch verhindern soll. Keine App, die freundlich warnt, sondern eine technische Lösung gegen Ablenkung am Steuer – und für weniger Unfälle Audio-Interview hören? Geht hier.

Dass unternehmerischer Erfolg oft direkt vor der eigenen Haustür beginnt, zeigte sich an diesem Tag auch im Gespräch mit zwei weiteren Gästen aus der Region: Merten und Jost Hannemann. Die Brüder kommen aus Hamberge und gingen in Reinfeld zur Schule. Der jüngere der beiden ist gerade einmal 23 Jahre alt.

Heute bauen sie mit nichtnurrasierer.de neben ihrem Ladengeschäft ein Online-Geschäft auf, das ein bodenständiges Produktfeld mit modernem Online-Marketing verbindet. Das zeigt: Manchmal beginnt etwas Neues nicht mit einer völlig neuen Technologie, sondern damit, einen alten Markt anders zu denken, Zielgruppen besser zu erreichen und vertraute Produkte neu zu positionieren.


Vorbilder für junge Frauen zwischen Kultur, Sichtbarkeit und Business

Einen bleibenden Eindruck hinterließen u.a. Meriem Lebdiri und Büsra Sayed. Die beiden Fashion-Unternehmerinnen, Content-Creatorinnen und Models zeigten, wie moderne Lebensentwürfe, kulturelle Identität und wirtschaftlicher Erfolg zusammengehen können. Büsra hat Meriem früher als Vorbild gesehen – wovon Meriem erst im heutigen Interview erfuhr.

Vorbilder entstehen, wenn Menschen sichtbar werden und anderen zeigen: Es geht. Auch mit anderem Hintergrund. Auch mit Umwegen. Auch ohne klassische Unternehmerbiografie. Und dafür bekamen sie nach ihrem Bühnenauftritt stehenden Applaus vom Publikum! Audio-Interview hören? Geht hier.

Der Kontrast zwischen den Speakern sorgte für Spannung

Die Lebensgeschichten der geladenen Speaker:innen und Teilnehmenden spiegelten viele Facetten des Unternehmertums wider: Chancen und Risiken, Erfolg, Gegenwind, Hinfallen und wieder Aufstehen. Es ging um Gründungen, die aus dem Nichts starteten. Um Menschen, die aus Konzernstrukturen kamen und sich als Content-Creator selbstständig machten. Und um Selbstständige, die in Corona-Zeiten hart fielen – und danach neu anfangen mussten.

Viele Geschichten auf der Bühne und in den Interviews berührten mich (Susanne Braun-Speck (Su-Enna), Autorin von diesem Beitrag auf dem Foto mit Burak Türkyilmaz / BreitenBerg) auch deshalb, weil ich einiges davon selbst erlebt hatte. Als ehemalige Unternehmerin in der IT-Branche gründete ich zu einer Zeit (1996), in der mein Geschäftsmodell neu und erklärungsbedürftig war: IT-Projektgeschäft, Freiberufler-Vermittlung. Später wurde daraus ein milliardenschwerer Markt. Meine eigene Agentur wuchs zunächst schnell – und starb Jahre später langsam wieder. Ich erlebte selbst, wie zerstörerisch Bürokratie, Krisen und gesetzliche Veränderungen oder Einschränkungen (wie z.B. Corona-Maßnahmen) für Unternehmen sein können. Entsprechend hätte ich mit fast jedem Speaker und jeder Speakerin auf der Bühne persönliche Erfahrungen austauschen können. Doch mein Job bei diesem Event war Pressearbeit 🙂


Großunternehmer (+ 250 Mitarbeiter) und Solo-Unternehmer trafen auf einander

e

Andreas Buhr und Servet Ülker auf der Bühne

An diesem Freitag standen auf der einen Seite Persönlichkeiten (siehe Foto) wie der Berater, Speaker und SPIEGEL-Autor Andreas Buhr, der strategische wie auch persönliche Gedankenanstöße teilte und in mancher Hinsicht geradeaus Klartext sprach. Auf dem Foto zusammen mit Servet Ülker von BurgerVision, welcher Hands-on-Mentalität und geerdete Menschen mag – egal, wie erfolgreich sie sind.

Dabei waren auch Ertan Kesgin aus der Geschäftsführung von Uludag Deutschland und Europa (Hersteller des türkischen Kultgetränks: Gazoz) und Elias Bauer, der Honig zu modernen Produkten macht (Foto oben).

Sowie Autohausbetreiber Andreas Woellenstein, der trotz millionenschwerer Unternehmensdimension und 600 Mitarbeitern bodenständig wirkt. Er war zusammen mit Serdar Bogatekin (Gründer und CEO von Lunatix Management) auf der Bühne. Dieser erzählte, wie der Weg aussehen kann aus Berlin-Kreuzberg – bis ganz nach oben, bis zum Millionenumsatz. Er entdeckte ZAH1DE in seiner Berliner Tanzschule. Heute ist sie BAMBI-Gewinnerin, meist gestreamte deutsche Newcomerin und eine prägende Stimme der Generation Alpha.

Für humorvolle Auflockerung sorgte übrigens Comedian Salim Samatou, der spontan Teil des Programms wurde.

Und: Obwohl niemand als Dozent dort war und niemand jemanden belehren wollte, wurde trotzdem viel Know-how vermittelt: Erfahrung ist der beste Lehrmeister!

Am Ende wurde klar: Die Vielfalt und das Business-Denken der Speaker:innen und Gäste waren überraschend und unterhaltsam. Beinahe jede Minute bot neue Impulse. Vor allem aber zeigte der Tag von 11 bis etwa 17 Uhr: Social Media Plattformen sind kein privater Spielplatz mehr. Sie sind ein Wirtschaftsraum – auch für klassische, bodenständige Unternehmen. 

Wer diese Welt belächelt, versteht einen Teil der Gegenwart nicht. Und vielleicht auch einen Teil der Zukunft nicht.

Denn nachhaltiges Wirtschaften bedeutet heute nicht nur, Ressourcen zu schonen und CO2 zu vermeiden. Es bedeutet auch, Unternehmen widerstandsfähig zu machen, junge Menschen zu ermutigen, regionale Ideen sichtbar zu machen und digitale Räume verantwortungsvoll zu nutzen. Genau darin lag die eigentliche Botschaft dieses Tages: Geben und Nehmen ist mehr als ein Veranstaltungsmotto. Es beschreibt, wie Unternehmertum funktionieren kann, wenn Erfahrung, Sichtbarkeit, Mut und gegenseitige Unterstützung zusammenkommen.


Text und Fotos: Susanne Braun-Speck (Su-Enna)

0 Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert